Wer ist Autor Oknov?
Hinter Autor Oknov steckt Sven.
Ich bin Bestatter, schwul, lebe seit 2014 mit meinem Mann zusammen und bin eigentlich ein ziemlich einfacher Mensch. Ich brauche nicht viel, um zufrieden zu sein: Schokolade geht eigentlich immer, dazu gute Musik und am liebsten ein bisschen Ruhe und Frieden.
Wer mich zum ersten Mal kennenlernt, erlebt mich meistens eher zurückhaltend. Manche halten mich deshalb für schüchtern. Das ändert sich allerdings ziemlich schnell, sobald ich mich wohlfühle. Dann bin ich offen, direkt, frei Schnauze und sage auch, was ich denke.
Ich kann über mich selbst lachen und bin mit mir zufrieden. Was andere über mich, meinen Körper oder mein Aussehen denken, ist mir ziemlich egal.
Was mir dagegen überhaupt nicht egal ist, ist der Umgang mit anderen Menschen. Ich kann es nicht ausstehen, wenn Menschen nicht nachdenken, andere diskriminieren oder jemanden nur nach seinem Aussehen, seiner Sexualität, seinem Alter, seinem Körper oder irgendeinem anderen Merkmal beurteilen.
Ehrlich. Direkt. Ungefiltert.
Das ist für mich kein Werbespruch. Es beschreibt ziemlich gut, wie ich durchs Leben gehe. Ich habe eine klare Haltung und eine eigene Meinung, auch wenn andere sie nicht teilen. Das bedeutet nicht, dass jeder genauso denken muss wie ich und auch nicht, dass ich glaube, immer recht zu haben. Ich verstelle mich nur nicht, damit meine Meinung anderen besser gefällt.
Sven und Autor Oknov sind dabei keine zwei verschiedenen Personen. Autor Oknov ist keine Kunstfigur und keine Rolle, die ich spiele, sobald ich ein Buch schreibe. Der Bestatter, der Mann hinter den Geschichten und der Autor lassen sich bei mir nicht sauber voneinander trennen.
Das alles bin ich. Nur der Name Oknov hat seine ganz eigene Geschichte.
Oknov ist eine Liebeserklärung an meinen Mann.
Kennengelernt haben wir uns im Oktober 2014 über eine Dating-App. Und nein: Die große romantische Liebesgeschichte war an diesem Tag nicht geplant. Eigentlich ging es nur um Sex.
Offensichtlich ist dieser Plan ziemlich gründlich schiefgegangen. Denn aus der geplanten Bettgeschichte wurde sehr schnell etwas Ernstes.
Geheiratet haben wir übrigens bis heute nicht. Wir leben ganz hervorragend in wilder Ehe.
Als wir uns 2014 kennenlernten, konnte natürlich keiner von uns ahnen, dass diese beiden Monate irgendwann einmal auf Buchcovern stehen würden.
Heute ist mein Mann meine Stütze bei allem, was ich mache. Er ist gleichzeitig mein Lektor, liest meine Geschichten, diskutiert mit mir darüber und begleitet sie auf ihrem Weg zum fertigen Buch. Ohne ihn würde es wahrscheinlich keinen einzigen meiner Romane geben.
Deshalb wollte ich keinen beliebigen Künstlernamen, der einfach nur gut klingt.
Oknov gehört zu meiner Geschichte. Zu unserer Geschichte.
Und jedes Mal, wenn Autor Oknov auf einem meiner Bücher steht, steckt darin auch ein Stück von dem Menschen, ohne den es diesen Autor wahrscheinlich nie gegeben hätte.
Aber warum schreibe ich ausgerechnet erotische Romane?

Weil es kaum einen Bereich gibt, in dem wir Menschen so schnell nach ihrem Äußeren beurteilen wie bei Sex und Begehren.
Wer ist heiß genug? Wer ist zu dick, zu alt oder zu unattraktiv? Wer hat den besseren Körper, den größeren Schwanz oder den knackigeren Arsch? Gerade in der schwulen Datingwelt reichen manchmal wenige Sekunden und ein Bild, um zu entscheiden: ja oder nein, interessant oder uninteressant, geil oder weiter.
Und genau da fangen meine Geschichten an.
Denn Erotik erlaubt mir, genau dorthin zu schauen, wo Oberflächlichkeit besonders sichtbar wird. Ich kann einen Körper zeigen, Begehren entstehen lassen und Sex deutlich beschreiben.
Aber gleichzeitig kann ich die Frage stellen:
Wer ist eigentlich der Mensch, den du da gerade begehrst oder ablehnst?
Zieh ihnen die Fassade aus und du siehst den Menschen.

Genau das möchte ich mit meinen Büchern erreichen. Ich will niemandem vorschreiben, wen er attraktiv finden, lieben oder begehren soll. Jeder Mensch hat seinen eigenen Geschmack, und das ist völlig in Ordnung.
Aber ich möchte die Frage stellen, warum aus persönlichem Geschmack so schnell ein Urteil über einen Menschen wird.
Warum sollte ein Mensch mit Behinderung nicht lieben und begehrt werden? Warum sollte ein dicker Mensch sich nicht sexy fühlen? Warum sollte ein älterer Mensch keine Sexualität haben? Und warum sollte eine Liebe weniger wert sein, nur weil sie nicht in das Bild passt, das andere für normal halten?
Meine Geschichten sollen unterhalten. Sie dürfen erotisch sein, sie dürfen deutlich sein und sie dürfen geil sein. Aber wenn der Leser das Buch danach zuklappt, möchte ich, dass mehr hängen bleibt als eine Sexszene.
Ich möchte, dass er über die Menschen dahinter nachdenkt.
Vielleicht verändert ein Roman keine Gesellschaft. Aber vielleicht verändert er für einen Moment den Blick auf einen anderen Menschen. Vielleicht wird aus einem schnellen „zu dick“, „zu alt“, „zu anders“ oder „nicht mein Typ“ irgendwann die Frage: Wer ist dieser Mensch eigentlich?
Genau dafür schreibe ich.
Nicht um dir zu sagen, was du denken sollst. Sondern damit du dich fragst, warum du so denkst.
Vielleicht sehe ich manche Dinge auch deshalb anders, weil ich jeden Tag einen Beruf ausübe, in dem all die Maßstäbe, nach denen wir Menschen im Leben beurteilen, plötzlich keine Rolle mehr spielen.

Ich bin Bestatter.
Und wenn ein Mensch vor mir im Sarg liegt, interessiert es nicht mehr, ob er einen Sixpack hatte. Ob er dick oder dünn war. Ob er schwul, hetero oder trans war. Ob er reich war, welchen Beruf er hatte, woher er kam oder ob andere ihn einmal attraktiv fanden.
Am Ende liegt dort ein Mensch.
Genau dieser Gedanke begleitet mich auch beim Schreiben. Denn vieles von dem, worüber wir andere im Leben beurteilen, ablehnen oder aussortieren, verliert irgendwann jede Bedeutung.
Und trotzdem schaffen wir es, Menschen schon vorher das Gefühl zu geben, sie seien zu dick, zu alt, zu queer, zu behindert, zu hässlich oder einfach zu anders.
Dabei ist die entscheidende Frage für mich viel einfacher:
Warum fällt es uns manchmal so schwer, einen Menschen einfach als Menschen zu sehen?
Mein Beruf hat diese Haltung nicht erschaffen. Aber er erinnert mich jeden Tag daran, wie wenig von den Schubladen übrig bleibt, in die wir uns gegenseitig stecken.
Und genau mit dieser Haltung möchte ich weitermachen.
Die Zukunft

Was 2025 mit meinem ersten Roman angefangen hat, ist für mich längst mehr geworden als der Versuch, einmal ein Buch zu schreiben.
Ich möchte weitere Geschichten erzählen, neue Themen aufgreifen und auch weiterhin bewusst dorthin gehen, wo es unbequem werden kann. Dabei möchte ich mich nicht wiederholen. Nicht jedes Buch muss dieselbe Botschaft haben und nicht jede Geschichte muss dasselbe Problem behandeln.
Es gibt noch genug Menschen, Beziehungen und Lebensentwürfe, über die viel zu selten gesprochen wird.
Ich will mit jedem Buch ein Stück weitergehen.
Als Autor möchte ich wachsen, mehr Menschen erreichen und mir langfristig einen festen Platz als Autor Oknov aufbauen. Nicht, weil ich unbedingt berühmt sein möchte. Sondern weil Reichweite bedeutet, dass meine Geschichten überhaupt die Chance bekommen, etwas auszulösen.
Ich möchte irgendwann zurückblicken können und sagen: Aus dieser verrückten Idee, einfach mal einen Roman zu schreiben, ist etwas entstanden, das geblieben ist. Wie groß das einmal wird, weiß ich nicht.
Aber ich weiß, dass ich noch lange nicht fertig bin.